Freitag, 18. September, abends in Ratingen: Dieter Nuhr begegnet einem Darmbakterium. Wie das?
Vor einigen Monaten benannte Dieter Nuhr in einem seiner Auftritte die AfD-Parteigänger, also auch mich, als Darmbakterien. Im Enddarm. Seitdem hatte ich das innere Bedürfnis, mich mit Ihm als Darmbakterie bekannt zu machen. Am Freitag endlich kam der ersehnte Moment. Der Ratinger Dieter Nuhr war als Festredner zur Eröffnung der Gemäldeausstellung seines Freundes Esser im Ratinger Stadtmuseum angekündigt. Ich hatte, wie auch die anderen Ratsmitglieder, eine persönliche Einladung vom Büro des Bürgermeisters erhalten.
Am frühen Freitagabend machte ich mich zeitig auf den Weg, um noch einen der guten vorderen Plätze im Auditorium zu ergattern. Überraschung, als ich um die Ecke einbog: Da stand tatsächlich ein Protestcamp der berüchtigten Omas gegen rechts. Die hatten es sich mit einem Infostand direkt an der Straßenecke am Museum zusammen mit ihrer Entourage häuslich eingerichtet. Nachdem ich mir zunächst im Vortragssaal des Museums einen guten Platz gesichert hatte, schlenderte ich rüber zu den Omas: Mal schauen, was die heute so auf der Pfanne haben. Die Grauhaarigen verteilten Flugblätter: „Häusliche Gewalt gegen Frauen“. Bei meinem Anblick fing die Ober-Oma sofort an zu Zetern: „Da kommt der Extremist!“ – Diesmal nicht mit von der Partie: Das vertraute blondlockige Maskottchen der Omas, Klein-Kevin. Der fehlte. Auch das stadtbekannte Unikum, Altkommunist „Manni“ mit der Mütze, die selbsternannte Reinkarnation von Ernesto Che Guevara, ließ sich nicht blicken. An dessen Stelle ging der Oberzwerg der Ratinger Partei-Pimpfe den Omas zur Hand. Kaum sah er mich, da fing er lauthals an zu stammeln: „Keiner will mit Ihnen sprechen! Keiner will mit Ihnen sprechen, keiner will…“. Der Bursche leidet tatsächlich an einer hoffnungslosen Selbstüberschätzung. Ich hatte nämlich nicht die geringste Lust auf eine Unterhaltung. Denn Gespräche mit grenzdebilen Gestalten bringen keinerlei Erkenntnisgewinn und auch der Spaßfaktor hält sich in Grenzen. Mir ging es nur um das ausliegende Infomaterial. Tatsächlich: Diesmal gab es die Flyer auch auf Türkisch und Arabisch. Gut so, endlich die richtige Zielgruppe! Ich bedankte mich höflich und ging zurück zum Museum. Dort füllten sich der Saal zusehends, die letzten mussten mit Stehplätzen vorliebnehmen. Ich rätselte: Warum die zeitgleiche Demo zur Gewalt gehen Frauen? Sind etwa die Gäste der Ausstellungseröffnung der betroffene Personenkreis? Aber: Bei keiner der Besucherinnen waren Spuren häuslicher Gewalteinwirkung erkennbar, auch nicht bei der weiblichen Begleitung von Dieter Nuhr.
Pünktlich um 19 Uhr startete das Programm mit den Ansprachen: Zuerst der Herr Bürgermeister, dann die Repräsentanz des LVR, dann die Museumsleiterin und dann endlich: Dieter Nuhr. Mit bescheidenem Understatement dämpfte er die Erwartungen des Publikums: Nein das wird hier heute keine kabarettistische Darstellung. Aber dann ging es doch los mit einem weit ausholenden Rundumschlag gegen Zeitgeist und Establishment in Kunst und Kultur. Um dann einzugehen als wohltuenden Kontrast auf das Werk seines Freundes Elger Esser: Einfach schön, berührend, gegenständlich. Die engagierte Lobrede wurde immer unterbrochen vom zustimmenden Beifall des Publikums. Nicht frenetisch, eher verhalten, so wie es sich für eine kunstsinnige Kleinstadtgemeinde gehört. – Nach einer gefühlten halben Stunde war es vorbei; der Künstler selbst verzichtete auf einen eigenen Redebeitrag. Das Auditorium zerstreute sich in die Ausstellungsräume und so gab sich die Gelegenheit, Dieter Nuhr direkt anzusprechen: „Guten Abend, Herr Nuhr. Darf ich mich vorstellen? Ich bin Ihr Darmbakterium.“ Er schaute fragend und so klärte ich ihn auf: „Ich bin der lokale Repräsentant jener Partei.“ Er gab sich weiter unwissend: „Welche Partei?“ Ich: „Die Alternative für Deutschland.“ Offenbar schien er sich nicht mehr an seine damalige Äußerung zu erinnern. Er kenne nicht alles, was er in irgendeiner Vorstellung von sich gegeben habe, auswendig. Er identifiziere sich mit keiner Partei und sitze ohnehin zwischen allen Stühlen.
Mit diesem Gesprächsverlauf hatte ich, ehrlich gesagt, nicht gerechnet. Offenbar hat auch Dieter Nuhr seine Stichwortgeber im Team, die ihm Form und Inhalte vorgeben. Von den Politclowns der heute-show ist das bekannt. Die lernen ihre Rollen wie Schauspieler einfach auswendig. Da ist alles einstudiert und nichts spontan. Von Dieter Nuhr hätte ich das nicht erwartet. – Ich vermute aber, dass irgendeine Stänkerei gegen die AfD zum notwendigen Pflichtprogramm aller Entertainer gehört, die Honorare vom Staatsfernsehen erhalten.
Mit der Einordnung „Zwischen allen Stuhlen“ war unsere kurze Unterhaltung auch schon beendet. Ich wollte den Comedian nicht weiter nerven, verabschiedete mich höflich um mich dann der Ausstellung der Werke von Elger Esser zu widmen. Wer die Werke von Caspar David Friedrich oder William Turner zu schätzen weiß; wer sich durch Edward Hopper oder die „Villa am Meer“ von Böcklin angesprochen fühlt, der wird auch Gefallen finden an der Ausstellung im Ratinger Museum. Der Künstler selbst hatte von seiner Äußerlichkeit überhaupt nicht den Anschein seiner Profession. Gediegen, im Anzug mit Schlips und Einstecktuch hätte man eher einen Bankmitarbeiter oder Vertriebsleiter vermutet. Freundlich, jovial wechselte er auch mit mir ein paar Worte und erzählte von seiner Motivfindung und Maltechnik.
Schade, dass im lesenswerten Begleitbuch zur Ausstellung nicht alle gezeigten Bilder enthalten sind. Insbesondere die prägenden Darstellungen an der Kopfseite des Versammlungssaals sucht man vergeblich im gedruckten Werk.
Die Erkenntnis: Erst am nächsten Tag dämmerte es mir, warum die von sexuellen Gewaltphantasien besessenen Omas ihren Auftritt vor dem Museum hatten. Dieter Nuhr hatte es sich nämlich letztens mit der woken feministischen Gilde gründlich verscherzt. Stellte er doch die gewagte Behauptung auf, dass nicht alle Männer zu Frauenmördern werden: https://www.youtube.com/watch?v=rBBg0zc-wZs&t=4s . Er hatte in seiner ARD-Sendung vom 18. Juni gesagt, „die Wahrscheinlichkeit, bei 300 bis 350 Femiziden pro Jahr auf einen Frauenmörder zu treffen“, sei „praktisch null“. Dieser Affront brachte die linken Omas und ihre Gesinnungsgenossen auf die Palme. Das überforderte deren Denkvermögen. Ein gewohntes Muster: https://briefe-von-bernd.blog/2023/08/17/die-omas-gegen-rechts-sind-intellektuell-uberfordert/ Ein Tipp: Die von sexistischer Gewaltvorstellungen geplagten Omas sollten die Ausstellung im Ratinger Museum besuchen. Da finden sie genug Aufreger. Und sollten sie sich vom Exponat „La source“ frei nach Gustave Courbet zum Besuch des Folkwang-Museums in Essen inspirieren lassen, wo derzeit die Werke des Franzosen präsentiert werden: Da ist Schnappatmung angesagt.
Die hochkarätige Ausstellungseröffnung im Museum zum hundertjährigen Jubiläum und die Anwesenheit von Prominenz waren der Lokalpresse keine Silbe wert. Auch für die zeitgeistig-woke RP ist Dieter Nuhr offenbar zur Unperson geworden.
Die Ausstellung geht noch bis zum 24. Januar 2027.











Es war der Aufreger in dieser Republik und schaffte es als Schlagzeile auf Seite Eins der 